Demokratisch und Undemokratisch
Sunday, September 9th, 2007
Quelle: Economist.com

Quelle: Economist.com
Heise hat eine Liste von Länderinformationen zusammengestellt: Mobilfunkstandards, Internetzugang, und Steckertypen. Das Angebot richtet sich primär an Reisende - ist aber meines Erachtens auch für uns interessant.
Die BBC hat auch Länderinformationen - allerdings eher zur Wirtschaft, politischen Lage und so weiter. In die gleiche Kerbe schlägt auch das CIA World Factbook.
Update, 2007-06-16: Ich habe das Posting “verallgemeinert”.
Die Open Net Initiative baut einen Index auf, in welchen Ländern über das Internet zugängliche Informationen zensiert werden. Eine meiner Meinung nach wertvolle Informationsquelle für Personen, denen es wichtig ist in ein freies Land zu ziehen…
Verschlüsselung bietet Schutz vor neugierigen Augen. Gerade in einem Zeitalter in dem die Staatsorgane neue Begehrlichkeiten äußern, scheint es wichtig sich gegen rechtswidrige Zugriffe zu schützen. Der Crypto Law Survey verschafft dem geneigten Auswanderer (oder Reisenden!) einen Überblick über die in verschiedenen Ländern gültigen Gesetze zum Thema “Verschlüsselung”.
Ich kann schlecht in ein Land auswandern in dem SSH illegal wäre. :) Und idealerweise möchte ich auch nicht anderweitig bei der Nutzung von Kryptographie eingeschränkt sein.
Telepolis berichtet über eine Studie zweier Britischer Wissenschaftler, die anhand des Blutdruckes der Bürger eine Art “Glücklichkeitsindex” für verschiedene Nationen erstellt haben. Die Deutschen sind demnach das zweitunglücklichste Volk Europas, gleich über den Portugiesen. Als Anekdote sei jetzt nur hinzugefügt dass mein einziger portugiesischer Bekannter letztes Jahr auch ausgewandert ist. Nach Irland. Und diesen Schritt nicht eine Sekunde bereut.
Sicherlich ist hoher Blutdruck nicht gleich ein Grund, Haus und Hof zurück zu lassen und auszuwandern. Aber die Studie zeigt einmal mehr: Die Stimmung im Land könnte besser sein.
Meine Informationsbroschüren sind vor einer Weile vom Diakonischen Werk eingetroffen. Ich habe ersteinmal drei der Broschüren bestellt - “Allgemeine Hinweise”, “Versicherungen bei Auslandsaufenthalt” und “Singapur”. Das nicht, weil ich unbedingt in den Kleinstaat mit dem kaugummifreien Strassenpflaster möchte, sondern eigentlich eher willkürlich herausgepickt um zu sehen wie die Länderinformationen des Bundesverwaltungsamtes aufgebaut sind.
Für die Broschüren habe ich 25 Euro “Schutzgebühren” bezahlt. “Singapur” gab’s zum halben Preis, da aus dem Jahr 2001. Reaktionszeit des Diakonischen Werkes war OK, nicht grossartig - ist keine Beschwerde, aber halt auch nicht zu loben. Als kostenfreien Bonus gab’s ein bischen Werbung für die Kirche (ein abgeschnittener Ausdruck der Startseite von auslandsgemeinden.de) und für eine Broschüre über die Deutsche Rente (”Arbeiten im Ausland - für die Rente kein Problem”).
Der in der FAZ damals nicht genannte Fernsehsender hat seine Dokumentarserie über Auswanderung aus Deutschland begonnen und letzte Woche mit der Ausstrahlung angefangen. Kabel 1 zeigt weitere Folgen der Serie “Mein neues Leben” jeden Donnerstag, meldet web.de. Die Dokumentation beginnt mit den Vorbereitungen auf die Auswanderung, und sprint dann zur Ankunft im Zielland, wo die deutschen Familien ihre neue Existenz aufzubauen beginnen.
Leider besitze ich keinen Fernseher und kann die Serie selber nicht anschauen :-)
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung durchleuchtet in einem Artikel vom 4.5.2006 die derzeitige Auswanderungswelle. Unter anderem wird erwaehnt dass ein Fernsehsender an einer Dokumentation arbeitet und dafuer Auswanderer sucht. Keine wirklich neuen Informationen, der Artikel gibt aber die Stimmung denke ich ganz gut wieder.
Dabei unternehmen viele den Schritt in die Fremde weniger aus Abenteuerlust oder dem Gefühl, reif für die Insel zu sein. Er erfolgt vielmehr als Ausdruck des Protests gegen die Zustände hierzulande. Wer jeden Tag in der Zeitung lesen kann, daß die Sozialsysteme kollabieren, die Unternehmen abwandern, die Politiker kapitulieren, der kann schon auf Fluchtgedanken kommen.
Ich denke das Interview der FAZ mit Pawel Kuschke, einem Studenten aus Duisburg, fasst die aktuelle Stimmung gut zusammen: Pawel fühlt sich in Deutschland chancenlos und vom politischne und sozilalen System ausgebeutet.
Der Arbeitsmarkt wird immer unsicherer. Wir sollen mehr Geld in die Sozialversicherungen einzahlen, bekommen aber immer weniger heraus, wenn wir mal alt, krank oder arbeitslos sein werden. Und die Steuern werden auch steigen. Wenn man die katastrophale Lage der öffentlichen Haushalte sieht, ist das unvermeidbar. Und eigentlich müßten wir noch privat fürs Alter vorsorgen und möchten Kinder kriegen. Woher das Geld dafür kommen soll, weiß ich nicht.
Er sieht wenig Chancen, dass in Deutschland das Ruder herumgerissen werden kann - weil niemand ernsthaft an einer Problemlösung arbeitet. Daher möchte er nach Ostasien auswandern.
Interessant wird es sein, in ein oder zwei Jahren zu recherchieren ob Herr Kutschke seinen Vorsatz, Deutschland zu verlassen, auch realisiert hat.
Für wen bei der Auswahl einer möglichen neuen Heimat nicht nur praktische oder finanzielle Aspekte eine Rolle spielen, sondern der auch Wert auf freiheitliche Grundwerte legt, kann im Jahresbericht 2006 der “Reporter ohne Grenzen” nachlesen in welchem Land wie mit der Pressefreiheit umgegangen wird. Oft sind Journalisten den Regierungen ein Dorn im Auge, und Reporter werden das erste Opfer in einem Land das repressive Züge annimmt.
Für mich wird dieser Bericht eindeutig zur Entscheidungshilfe beitragen.
Der gesamte Bericht is als PDF online.